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Wer nach „Parfum selbst mischen“ sucht, findet meist Allgemeinplätze wie „ein paar Tropfen Bergamotte“. Dieser Artikel macht es umgekehrt: mit konkreten Mengen, klaren Prozenten und einem Beispiel, bei dem jede Zahl nachgerechnet ist.
Das Grundprinzip
Ein Parfum besteht aus drei Dingen: einer Duftölmischung (dem Konzentrat), Alkohol als Träger (Ethanol, rund 96 %) und Zeit. Das Verhältnis von Konzentrat und Alkohol bestimmt die Stärke, die Reifezeit entscheidet, ob die Mischung rund oder schroff klingt.
Das richtige Mischverhältnis
Kopf-, Herz- und Basisnote im Konzentrat
Bezugsgröße ist immer das Konzentrat, nicht das fertige Parfum. Bewährte Faustregel für die Verteilung (mehr zum Aufbau in der Duftpyramide):
- Kopfnote: 20–30 %. Frische, leichte Stoffe, die schnell verdunsten.
- Herznote: 40–50 %. Der Charakter: blumig, würzig, fruchtig.
- Basisnote: 20–30 %. Hölzer, Harze, Moschus, Vanille.
Das ist eine Orientierung, keine Pflicht. Ein Chypre lebt von einer kräftigen Basis, ein Cologne vom Kopf.
Konzentrat-Anteil je nach Parfumklasse
| Klasse | Konzentrat | Rest (Alkohol, ggf. etwas Wasser) |
|---|---|---|
| Eau de Cologne (EdC) | 2–5 % | 95–98 % |
| Eau de Toilette (EdT) | 5–15 % | 85–95 % |
| Eau de Parfum (EdP) | 15–20 % | 80–85 % |
| Extrait de Parfum (Extrait) | 20–40 % | 60–80 % |
Empfehlung für den Einstieg: 15 % Konzentrat, also ein Eau de Parfum. Stark genug, um den Duft auf der Haut zu beurteilen, und gutmütig genug, um kleine Dosierfehler zu verzeihen. Die Unterschiede der Klassen erklärt EdT, EdP, Extrait.
Wie viel Alkohol?
Die Formel lautet:
Alkohol = Konzentrat ÷ Konzentration − Konzentrat
Für 10 g Konzentrat und 15 % ergibt das 10 ÷ 0,15 − 10 = 56,7 g Alkohol. Zusammen sind das 66,7 g Parfum, von denen 15 % Konzentrat sind (10 ÷ 66,7 = 0,15).
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Wenn du es einfacher willst
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Beispielrezept: warm-holzig
Ein unisex Beispiel mit 10 g Konzentrat, durchgerechnet:
| Schicht | Material | Menge | Anteil am Konzentrat |
|---|---|---|---|
| Kopf | Bergamotte (furocumarinfrei) | 1,5 g | 15 % |
| Kopf | Rosa Pfeffer | 1,0 g | 10 % |
| Herz | Lavendel | 2,0 g | 20 % |
| Herz | Geranie | 1,5 g | 15 % |
| Herz | Muskatellersalbei | 1,0 g | 10 % |
| Basis | Zedernholz Virginia | 2,0 g | 20 % |
| Basis | Benzoe Siam (Resinoid, verdünnt) | 1,0 g | 10 % |
| Summe | 10,0 g | 100 % |
Die Schichten ergeben 25 % Kopf (2,5 g), 45 % Herz (4,5 g) und 30 % Basis (3,0 g). Dazu kommen 56,7 g Alkohol, also 66,7 g Ansatz oder etwa 80 ml. Alles in ein dunkles Glas wiegen, mit dem Alkohol auffüllen, verschließen und reifen lassen.
Und Tropfen?
Die 10 g Konzentrat entsprechen etwa 11 ml, also rund 200 bis 300 Tropfen. Die Größe eines Tropfens hängt aber von Pipette und Flüssigkeit ab, und kleine Fehler bei einem kräftigen Material verändern den Duft spürbar. Verlässlich und wiederholbar ist nur die Waage mit 0,01 g Auflösung.
Reifezeit: warum Geduld nötig ist
Frisch aus Einzelstoffen gemischt riecht eine Komposition schroffer und unfertiger als später. Während der Reifung beruhigt sich die Alkoholschärfe, flüchtige Ecken schleifen sich ab, die Materialien verbinden sich. Faustregel für selbst angesetzte Mischungen aus Einzelstoffen: mindestens zwei Wochen, besser vier bis sechs. Bei hohen Konzentrationen und kräftigen Basisnoten wie Vetiver oder Patchouli darf es länger dauern. Die Anleitung für die höchste Klasse steht in Extrait de Parfum selber machen.
Bei Duftrezeptur ist das anders: Wir arbeiten mit hauseigenen Basen, die bei uns bereits vorgereift wurden. Deshalb genügen beim fertigen Duft wenige Tage Reife.
Typische Fehler
- Tropfen statt Gramm: nicht reproduzierbar.
- Zu viele Materialien: Für den Anfang reichen fünf bis acht, bei mehr wird jeder Fehler schwerer zu finden.
- Kräftige Basisnoten überdosieren: Patchouli, Oud oder Ambroxan wirken schon in kleinen Mengen und dominieren schnell.
- Frisch beurteilen: Die Mischung braucht Reifezeit, bevor du sie bewertest.
- Nicht dokumentieren: Ohne Notizen ist auch ein Treffer verloren.
- Nur auf Papier testen: Auf der Haut riecht derselbe Duft anders (siehe Parfum richtig testen).
Sicherheit
Mach vor dem ersten Tragen einen Patch-Test in der Armbeuge und beobachte 24 Stunden. Viele Riechstoffe, auch natürliche wie Lavendel und Bergamotte, enthalten Stoffe, die Allergien auslösen können, und manche unterliegen Mengenbegrenzungen. Was dahintersteckt, steht in IFRA und Duftstoffallergene einfach erklärt. Wo du die Rohstoffe bekommst und worauf du beim Einkauf achtest, zeigt Riechstoffe kaufen.
Wenn du es einfacher willst
Selbst mischen ist ein schönes Hobby und kostet Zeit. Bei Duftrezeptur riechst du an den Materialien, wählst deine Hauptdüfte, und die Duft Engine berechnet die Rezeptur. Wer die exakten Mengen haben möchte, lässt sie sich als gebundenes Buch offenlegen, mit jedem Material in Milliliter und einer Anleitung zum Ansetzen.
Duftboxen & Riechsticks
Erst riechen, dann mischen
Rieche dich durch die Duftrichtungen einer Duftbox oder einzelner Riechsticks, bevor du Rohstoffe kaufst. So weißt du, was dir wirklich gefällt.
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Häufige Fragen
Wie viel Alkohol brauche ich für Parfum?
Das hängt von der Konzentration. Für ein Eau de Parfum mit 15 % Konzentrat sind es 85 % Alkohol (und gegebenenfalls etwas Wasser). Die Menge berechnest du mit: Alkohol = Konzentrat ÷ Konzentration − Konzentrat. Aus 10 g Konzentrat werden bei 15 % so 56,7 g Alkohol.
Welchen Alkohol nimmt man für selbstgemachtes Parfum?
Üblich ist Ethanol mit rund 96 %. Wichtig ist, dass er geruchsneutral ist. Vergällter Alkohol ist günstiger, kann aber nach dem Vergällungsmittel riechen; unvergällter Weingeist ist neutraler, aber wegen der Alkoholsteuer teurer. Sprit aus dem Supermarkt mit weniger als 90 % löst Konzentrate schlechter und eignet sich kaum für höhere Konzentrationen.
Wie lange muss selbstgemachtes Parfum reifen?
Mindestens zwei Wochen, besser vier bis sechs. Bei hohen Konzentrationen und kräftigen Basisnoten darf es länger sein. Die Mischung steht dabei verschlossen, dunkel und kühl.
Kann ich selbstgemachtes Parfum verkaufen?
Nicht ohne Weiteres. Ein Parfum, das du verkaufst oder weitergibst, gilt als Kosmetikprodukt und braucht Sicherheitsbewertung, Allergenkennzeichnung und Meldung im EU-Kosmetikportal. Für den Eigengebrauch gelten diese Pflichten nicht, ein Patch-Test ist trotzdem sinnvoll.
Weiterlesen
Grundlagen
Parfumrezeptur lesen: So ist eine Formel aufgebaut
Anteile, Verdünnungen, Ansatz, Reifung: Eine Rezeptur Zeile für Zeile erklärt, mit einem durchgerechneten Beispiel.
Bezugsquellen
Riechstoffe kaufen: worauf es bei Händlern ankommt
Rohstoff-Kategorien, Qualitätsmerkmale seriöser Händler, Parfümalkohol, Equipment und Lagerung. Ohne Shopping-Irrtümer.
Fortgeschritten
Extrait de Parfum selber machen: die Anleitung
Die intensivste Parfumklasse selbst ansetzen: Rohstoffwahl, Mengen, Reifung, Filtration und Sicherheit.
Praxis
Parfum haltbar machen und richtig aufbewahren
Was die Haltbarkeit auf der Haut bestimmt, wie lange ein Flakon hält und wie du deinen Duft lagerst, damit er so riecht wie am ersten Tag.
